11.06.2023

 

Nachbesetzung von einer Erzieherinnenstelle für die KiTa Piccolino

Aktuell werden Personalkosten der KiTa, die im Rahmen des festgelegten Personalschlüssels anfallen, zum größten Teil der Ortsgemeinde erstattet. Die Berechnung des Personalschlüssel ergibt sich aus den bewilligten Plätzen, die dann auch im Laufe des Kindergartenjahres durch Eltern gebucht und entsprechend besetzt werden dürfen.

 

Leider gibt es im KiTa-Bereich, anders als im Schulbereich, keine zentralen und festgelegten Aufnahmedaten. Der Antrag auf Besetzung eines KiTa-Platzes orientiert sich an dem Bedarf der Eltern. Somit ist unterjährig auch eine Anmeldung möglich. Was gut für die Flexibilität der Eltern ist, ist aber im Umkehrschluss schwierig für den KiTa-Träger. Es kann hierbei das Dilemma eintreten, dass zum gewünschten Zeitpunkt tatsächlich kein Platz mehr frei ist. Dann gibt es nur die Möglichkeit, einen Alternativkindergarten anzubieten oder zu versuchen, das Platzangebot in der eigenen KiTa aufzustocken. 

 

Sicherlich hat jede Ortsgemeinde das Interesse, Kinder aus dem eigenen Ort auch in der ortseigenen Einrichtung aufzunehmen. Dabei werden alle Hebel in Bewegung gesetzt, um dies auch umzusetzen.

 

Aber genau hier entsteht das Problem, welches sich durch das „Gute-KiTa-Gesetz“ nochmals verschärft hat. Es wird genauestens errechnet, welcher Stellenanteil durch die Neuberechnung des Personalschlüssels bei möglicher Aufnahme weiterer Kinder refinanziert wird. Dabei kommt es üblicherweise vor, dass es sich dann nur um eine Teilzeitstelle handelt. Aufgrund der aktuellen Lage auf dem Arbeits-markt ist es aber für einen Träger schwierig, hier geeignetes Personal passgenau zu finden. Daher werden Überlegungen angestellt, wie ggf. unter Einsatz eigener Mittel eine interessante Stelle modelliert werden kann. Es kann aber nicht Aufgabe der Ortsgemeinde sein, erhebliche eigene Mittel, neben den bereits schon eingesetzten Mitteln, einzubringen, um den Bedarf an Betreuung sicherstellen zu können und das Land zieht sich hier aus seiner Verantwortung zurück. Auf etwaige Stellenkürzungen mit Freisetzung von Personal bei sinkenden Kinderzahlen, die sich dann aber ggf. nach 3-4 Monaten wieder in die andere Richtung verändern kann, will ich gar nicht eingehen.

 

Hier macht sich das Land einen schlanken Fuß und überlässt die Entscheidung möglicher Aufnahmen und Anstellung weiterer Mitarbeitenden, den Einsatz von Finanzmitteln sowie den entstehenden Ärger mit Eltern und auch Mitarbeitenden den Ortsgemeinden. Dass hieraus Frust und Ärger bei den Ortsbürgermeistern und Gemeinderäten entstehen, die diese Arbeit auch noch ehrenamtlich durchführen, ist sicherlich nicht von der Hand zu weisen. Hier ist dem Land kein großer Wurf gelungen und ich hoffe, dass es hierzu noch Änderungen geben wird, die mehr Flexibilität mit sich bringt.

 

Nunmehr ist aber genau diese Situation, wie ich sie oben beschrieben habe, bei uns eingetreten. Wir konnten keine weiteren Kinder mehr aufnehmen und mussten an die Eltern appellieren, Geduld zu haben. Es wurden mehrere Stellenausschreibungen vorgenommen, die zuerst ins Leere liefen. Zwischenzeitlich liegen aber endlich Bewerbungen vor. Um aber eine lukrative Stelle anbieten zu können, musste überlegt werden, inwieweit der refinanzierte Stellenanteil auf eine Vollzeitstelle angehoben werden kann. Damit hat sich der Gemeinderat beschäftigt und ist dem Vorschlag gefolgt, eine Vollzeitstelle zu besetzen und fehlende Mittel aus Eigenmitteln bereitzustellen. Dadurch soll auch verhindert werden, Personal bei entsprechenden zukünftigen Ausschreibungen anderer KiTa-Träger zu verlieren. Jedoch steht hierbei immer die Frage im Raum, wie weit dies getrieben werden kann und wie KiTa-Träger damit umgehen, die keine freien Mittel hierfür zur Verfügung haben. Gibt es dann in der Betreuung und den Platzangeboten eine Zwei-Klassen-Gesellschaft? Ich dachte immer, bei allen Planungen und Regelung geht es um das Kindeswohl und die Unterstützung der Eltern bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Jedoch hat es für mich den Anschein, dass dies leider nicht (mehr) an erster Stelle steht.

 

Die Ortsgemeinde Hof wird jedoch weiterhin bestrebt sein, sich dafür einzusetzen, dass alle Hofer Kinder in unserer KiTa das Angebot bekommen, welches sie brauchen. Auch wenn damit sehr viel Einsatz, Variabilität und Entscheidungsfreude einhergeht.

 

 

Jochen Becker

Ortsbürgermeister